Veranstaltungen - Archiv 2017spacer

Donnerstag, 18. Mai 2017, 18.00 Uhr

Erinnern an den Großen Krieg: Der Kriegseintritt der USA 1917

Vortragsabend der Landeszentrale für politische Bildung mit Dr. Libby O'Connell und Dr. Christoph Nübel

In einem amerikanisch-deutschen Tandem diskutieren beide Historiker über die Folgen des Kriegseintrittes der USA im April 1917 für die europäische Politik und für Deutschland.

Den thematischen Rahmen der Vorträge und  der Diskussion bilden neben dem Kriegseintritt der USA die Russischen Revolutionen vom Februar und Oktober 1917, die soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage im deutschen Kaiserreich. Daneben werden Fragen von Kriegserfahrungen der Zivilbevölkerung und von Gewalt behandelt. Das „lange Ende des Kriegs“, das in Europa bis 1923 reichte, wird ebenfalls berücksichtigt. Die Einrichtung demokratischer Strukturen in einer Vielzahl europäischer Staaten, die in Deutschland die Gründung der ersten demokratischen Republik führen, findet auch Berücksichtigung.

Dr. Libby O’Connell (Chicago), Beauftragter für die US World War I Centennial Commission

Dr. Christoph Nübel (Berlin), Humboldt-Universität zu Berlin, Fachbereich Europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts

Moderation: Prof. Dr. Thorsten Logge, Universität Hamburg

Weitgehend in englischer Sprache!

Eintritt frei.

Eine Veranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg mit dem Arbeitsfeld Public History am Fachbereich Geschichte der Universität Hamburg und dem Generalkonsulat der Vereinigten Staaten von Amerika.

Montag, 15. Mai 2017, 19.00 Uhr
„Vergesst ja Nette nicht“. Der Bremer Polizist und Judenreferent Bruno Nette.

Buchvorstellung und Vortrag von Bernhard Nette, Enkel von Bruno Nette und langjähriges Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW Hamburg).

Bruno Nette (1887-1960) war zwischen 1940 und 1945 Gestapobeamter in Bremen und von November 1941 bis April 1945 der Bremer »Judenreferent«. In dieser Funktion organisierte er die Deportationen der von den Nazis als jüdisch klassifizierten Menschen aus Bremen und dem Regierungsbezirk Stade. Über 500 von ihnen wurden über den Hannoverschen Bahnhof in Hamburg in Ghettos und Vernichtungslager deportiert.

Bernhard Nette hat das Leben seines Großvaters von der Kaiserzeit bis zur Bundesrepublik erforscht. Während des Dritten Reiches ging ein Riss durch die Familie mit ihren kommunistisch-sozialdemokratischen Mitgliedern auf der einen, dem NS-treuen Gestapobeamten auf der anderen Seite. Wie viele andere Täter wurde Bruno Nette in der Bundesrepublik nicht für seine Taten zur Verantwortung gezogen und schließlich zum »Mitläufer« erklärt.

Eine Veranstaltung im Programm zur Einweihung des Gedenkorts »denk.mal Hannoverscher Bahnhof«.

Moderation: Dr. Detlef Garbe, KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Eine Veranstaltung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in Kooperation mit der Behörde für Kultur und Medien.

Eintritt frei

Freitag, 12. Mai 2017, 19.00 Uhr

Film und Gespräch

„Morgenrot“ von Michał Korchowiec, Polen, 2016, 69 Min

Ein junger Filmemacher reist in die Masuren und ergründet im Nordosten Polens seine polnischen, aber auch deutschen Wurzeln.

Sieben Jahrhunderte gehörte Masuren zu Ostpreußen, bis es nach dem Zweiten Weltkrieg in die Volksrepublik Polen eingegliedert wurde. Wer nicht floh oder ums Leben kam, musste sich anpassen. Doch wie wird man zum Beispiel in wenigen Wochen zu einer »echten« Polin angesichts von Enteignung, Gewalt und Zwang? Der Regisseur Michał Korchowiec ist fest entschlossen, endlich seine zum Teil verschwiegenen Familienwurzeln zu ergründen. Wie könnte das besser gehen, als seine Mutter auf eine Reise in die Orte ihrer Kindheit mitzunehmen und dort ein Treffen mit Verwandten einzurichten. Der Regisseur durchbricht das lange Schweigen und gibt seiner Mutter und seiner Großmutter Raum, die Familiengeheimnisse und Verletzungen zu offenbaren, und zugleich zu verstehen, worauf diese historisch gründen.

Im Anschluss an die Filmvorführung erläutert der Regisseur Michał Korchowiec sein Filmprojekt.

Eintritt € 6,-, erm. € 4,-

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg.

Donnerstag, 11. Mai 2017, 18.00 Uhr

Verfeindete Nachbarn – Deutschland, Polen und Litauen 1916-1939

Vortragsabend der Landeszentrale für politische Bildung mit PD Dr. Joachim Tauber

Im Zentrum der Veranstaltung steht die komplexe europäische Staatenlandschaft im östlichen Europa. Dieses Staatengefüge besaß eine weitreichende Wirkung auch für die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen der jungen Weimarer Republik ab 1918/19. Die Vorgeschichte des Zerfalls der Kaiserreiche Österreich-Ungarn, Preußen und Russland sind Geburtsstunden der neuen demokratischen Strukturen des europäischen Kontinents.

Im Vorgriff auf die 2018 und 2019 anstehenden Jubiläen wird die große Linie bis zur Zerstörung dieser demokratischen Staatenwelt gezogen. Litauen und Polen bilden dabei für die Republik von Weimar die zentralen Angelpunkte. Die Forderung nach Revision des Versailler Vertrags war ein Grundübel der Republik und führte ihre Außenpolitik geradewegs in die Okkupationspolitik der Nationalsozialisten ab 1933.

PD Dr. Joachim Tauber ist Direktor des Instituts für Kultur und Geschichte Nordosteuropas an der Universität Hamburg in Lüneburg und damit einer der besten Kenner der litauisch-deutschen Beziehungen und vielfach geehrt für seine Verdienste um die Aufarbeitung dieses Verhältnisses.

Eintritt frei.

Mittwoch, 10. Mai 2017, 18.00 Uhr

Karikaturen im Ersten Weltkrieg? - Ein Kampf mit Bildern

Vortragsabend der Landeszentrale für politische Bildung mit Dr. Piotr Szlanta (Warschau)

„Neue Herren oder Befreier?" In dem Vortrag werden die polnischen Okkupationserfahrungen des Ersten Weltkriegs im Lichte von Karikaturen anhand einer Vielzahl von Beispielen untersucht.

Karikaturen sind seit Jahrhunderten Bestandteile von Propaganda – auch ohne Internet oder große Druckmedien. Dieses wichtige Kommunikationsmittel besaß vor allem in Krisen und Kriegen eine maßgebliche Wirkung auf die Bevölkerung. Sie dienen bis heute dazu, politische Kontrahenten oder Kriegsgegner anzugreifen, zu diskreditieren, lächerlich zu machen. Sie waren aber auch Mittel, um eigene Forderungen durchzusetzen – und oft genug versuchten die Zeichner und Produzenten, die schlimme Kriegs- und Alltagslage für die Bevölkerung erträglicher zu gestalten (zumeist mit wenig Erfolg).

Dr. Piotr Szlanta lehrt an der Universität Warschau. 

Eintritt frei.

Dienstag, 9. Mai 2017, 19.00 Uhr

KONZERT: 3 x BEETHOVEN & MEHR

Junge, internationale Streichquartette aus der Klasse von Prof. Oliver Wille (Kuss Quartett) spielen Op. 18/1 – Op. 59/2 – Op. 13/3 und weitere Werke mit den Quartetten: Gerhard Quartet, Quartetto Indaco, Pierrot Quartet.

Eintritt 25,- EUR (erm. 10,- EUR). Frei für Mitglieder der HVFK.

Eine Veranstaltung der Hamburgischen Vereinigung von den Freunden der Kammermusik. Anmeldung über: www.kammermusikfreunde.de

Donnerstag, 4. Mai 2017, 18.00 Uhr

Vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg. Kontinuitäten und Brüche in der deutschen Wahrnehmung Polens.

Vortragsabend der Landeszentrale für politische Bildung mit Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt (Berlin)

Kern des Vortrages und der anschließend Diskussion mit dem Publikum ist die Veränderung des deutschen Polenbildes und die Haltung der deutschen Besatzungsorgane sowie der Soldaten auf polnischem Gebiet und im Ersten Weltkrieg sowie während der nationalsozialistischen Besatzung Polens zwischen 1939 und 1945.

Die fundamentale Änderung der europäischen Staatenwelt nach dem Ersten Weltkrieg hatte auch die Wiedererrichtung eines polnischen Staates zur Folge. Dieser wurde in seinen Grenzen von der Weimarer Republik aber genauso wenig anerkannt wie ab 1933 durch die Nationalsozialisten. Während das Weimarer Deutschland zwischen 1918/9 und 1932 die Revision der deutschen Ostgrenzen anstrebte und von Beginn an durchsetzen versuchte, war es das Ziel des nationalsozialistischen Deutschland, Polen zur Erlangung sog. „Lebensraums im Osten“ zu besetzen. Die polnische und v.a. die jüdische Bevölkerung sollten als Zwangsarbeitende versklavt bzw. ermordet werden.

Die Haltung der Öffentlichkeit in Deutschland und die sich daraus ableitenden politischen und gesellschaftlichen Handlungen sind Bestandteil des Vortrags ebenso wie die Position der deutschen Bevölkerung zu den Kriegsführungen im Ersten und Zweiten Weltkrieg.

Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt ist als Historiker am Touro-College in Berlin tätig und setzt seine Schwerpunkte u.a. bei der Geschichte des Dritten Reiches sowie bei den Verfahren um Renten für Zwangsarbeitende und Ghettoinsassen in der Bundesrepublik Deutschland.

Eintritt frei.

Donnerstag, 27. April 2017, 19.00 Uhr

In drei Gewalten

Buchvorstellung von Dr. Jürgen Westphal, Minister a.D.

Der Autor Dr. Jürgen Westphal, geboren in Hamburg, schildert in seinem von der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Hermann Ehlers Stiftung herausgegebenen Werk unter dem Titel ”In drei Gewalten” seine Arbeit als Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft, als langjähriger Wirtschafts- und Verkehrsminister und als Landtagsabgeordneter in Schleswig-Holstein. Er war als Richter am Hamburgischen Verfassungsgericht insbesondere mit Verfassungsfragen betraut. Diese Schwerpunkte sind eingebettet in die Schilderung seines Lebens als Kind und Jugendlicher in der Nazizeit und im Kriege sowie seines Studiums- und seiner Ausbildung. Nach dem offiziellen Teil wird es die Möglichkeit geben, das Buch zu erwerben und vom Autor signieren zu lassen.

Moderation Dr. Jürgen Rohweder, Historiker

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. - Politisches Bildungsforum Hamburg.

Eintritt frei

Samstag, 22. April, 18.00 bis 2.00 Uhr

DIE LANGE NACHT DER MUSEEN - Motto: „Noch ist Polen nicht verloren…“

„Wem gehört Polen?“ Propagandapostkarten aus dem Ersten Weltkrieg. Eine Grenzen überschreitende Ausstellung.

Anhand von 60 Propagandapostkarten aus Deutschland, Österreich-Ungarn, Russland, Polen und Frankreich zeigt die Ausstellung die Situation und Stimmung der Polen auch im Deutschen Reich in dieser schicksalhaften Zeit auf und veranschaulicht ihre komplizierte Stellung in der internationalen Politik am Ende des Ersten Weltkrieges.

  • 18:00 Carillon-Konzert -  Werner Lamm spielt das Turmglockenspiel
  • 18:30 „Wem gehört Polen?“ Propagandapostkarten aus dem Ersten Weltkrieg. Führung durch die Sonderausstellung. Weitere Führungen durch die Sonderausstellung um 19.15, 20.15, 21.15 und 0.30 Uhr
  • 19:45 und 20.45 "Gomorrha 1943 – Die Zerstörung Hamburgs im Luftkrieg" Führung durch die Dauerausstellung.
  • 22.00 – 0.00 History Slam „Noch ist Polen nicht verloren“. Wie steht es derzeit um das deutsch-polnische Verhältnis? Was wissen wir von unseren östlichen Nachbarn? Wie tickt die polnische Seele? Und warum reden die Expertinnen und Experten nicht einmal so, dass man sie versteht? Beim History Slam geben Historikerinnen und Historiker verständliche Einblicke in das deutsch-polnische Verhältnis. In knappen Kurzvorträgen bekommt das Publikum Geschichtswissen verabreicht – an einem höchst symbolträchtigen Ort.
  • Filmvorführung (alle 15 Min.): "Miasto Ruin" (Stadt der Ruinen). Animierter Kurzfilm mit Luftbildern des zerstörten Warschau 1945.
  •  Kulinarisches: Herzhafte Snacks und Getränke

Eintritt: € 15,- ermäßigt € 10,- (gilt für alle teilnehmenden Museen an diesem Abend sowie am Sonntag, dem 23.4.2017.)

Der Abend findet in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und Public History der Universität Hamburg statt

Freitag, 7. April 2017, 18.00 Uhr

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG

„Wem gehört Polen?“ Propagandapostkarten aus dem Ersten Weltkrieg. Eine Grenzen überschreitende Ausstellung.

Einleitungsvortrag von Prof. Dr. Wlodzimierz Borodziej, (Warschau/Jena) zum Thema „Der Große Krieg als vergessener Erinnerungsort. Polen 1914-1921“ sowie Grußworten von Prof. Boguslaw Dybas (Wien) und Prof. Dr. Rudolf Jaworski (Konstanz).

Eine Ausstellung des Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Präsentiert in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg.

27. Januar bis 17. April 2017 - täglich 10 - 17 Uhr

SONDERAUSSTELLUNG

"Erinnerte Gegenwart" - Dokumente und Installationen zu Theresienstadt

Die Münchner Künstlerin Marlies Poss wurde 1944 geboren. Großmutter und Mutter waren zu diesem Zeitpunkt als jüdische Frauen untergetaucht, ihre Großtante Berthie Philipp war von Hamburg aus in das KZ Theresienstadt verschleppt worden. So ist in der Biographie der Künstlerin eine persönliche Spur gelegt zu einem bewegenden Thema: Vergessenes jüdisches Leben erinnern und heutiges Bewusstsein wecken, lebendiges Vergegenwärtigen. Marlies Poss kombiniert für die Ausstellung Dokumente ihrer Großtante und anderer Holocaust-Überlebender mit eigenen Installationen. Sie schuf zarte Werke aus zerbrechlichen, vergänglichen Materialien, die den kindlichen Eindruck und den Schrecken vor dieser Familiengeschichte spürbar machen.

Die Ausstellung ist bis zum 17. April 2017 täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr zu besichtigen.

Donnerstag, 23. März 2017, 19.00 Uhr

"Ich glaube immer an den tieferen Sinn dieses Lebens." Die Tagebücher der Etty Hillesum

Eine Lesung mit der Schauspielerin Claudia Schwartz, musikalische Begleitung von Shaul Bustan

Etty Hillesum, 1914 geboren in eine jüdische Familie in den Niederlanden, fing im Alter von 27 Jahren an Tagebuch zu schreiben. 1943 wird sie in Auschwitz-Birkenau ermordet. Ihr Tagebuch ist ein faszinierendes und bewegendes Zeugnis von einem Leben das von Verfolgung, Angst und Bedrohung, aber auch von Liebe, Solidarität und Gläubigkeit gekennzeichnet ist. Etty Hillesum lehnt es ab zu hassen und macht erstaunliche Erfahrungen mit dem christlichen Glauben. Inmitten einer Zeit voller Grausamkeit und Vernichtung findet sie einen persönlichen Weg der Erfüllung.

Die einstündige Lesung vermittelt einen persönlichen Einblick in die Gedankenwelt dieser leidenschaftlichen und sehr humorvollen Frau. Etty Hillesum hinterlässt mit ihren Tagbüchern ein einzigartiges Dokument der Menschlichkeit: das Vertrauen in Gott, der Glaube an das Gute in jedem Menschen und eine unerschöpfliche Freude am Leben.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. - Politisches Bildungsforum Hamburg

Eintritt € 6,- / ermäßigt € 4,-

Donnerstag, 16. März 2017, 19.00 Uhr

Arthur Goldschmidt - Als Christ im Ghetto Theresienstadt 1942 bis 1945

Vortrag von Dr. Detlev Landgrebe

Dr. Arthur Goldschmidt (1873 – 1947) stammte aus einer jüdischen Familie, die jedoch schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Synagoge ausgetreten war. Im Alter von 16 Jahren ließ er sich im Jahre 1889 zusammen mit seinen Eltern evangelisch taufen. Seine Ehefrau Katharina stammte ebenfalls aus einer jüdischen Familie, die sich Ende des 19. Jahrhunderts evangelisch taufen ließ. Arthur Goldschmidt  wurde Richter in Hamburg und war am Ende seiner Karriere ein angesehener Richter am hamburgischen Oberlandesgericht. 1933 wurde er von den Nazis vorzeitig pensioniert. Noch konnte die Familie Goldschmidt in ihrem Haus in Reinbek – Kückallee 37 – wohnen bleiben. 1938 entschloss sich das Ehepaar Goldschmidt ihre beiden Söhne in Frankreich vor den Nazis zu retten. Die Ehefrau Goldschmidt war diesem Verlust und dem Verfolgungsdruck durch die Nazis nicht gewachsen und starb im Juni 1942. Der Pastor der Gemeinde in Reinbek weigerte sich, sie wegen ihrer jüdischen Herkunft  zu beerdigen. Wenige Monate später wurde Arthur Goldschmidt nach Theresienstadt deportiert. Dort gründete er die evangelische Gemeinde und wurde deren Seelsorger. Sein Wirken dort ist Gegenstand des Vortrages.  

Dr. Detlev Landgrebe ist der Enkel von Arthur Goldschmidt und Verfasser des Buches „Kückallee 37 – Eine Kindheit am Rande des Holocaust“ (2008). Er lebt heute als Geschäftsführer der Hamburger Stiftung Hilfe für NS-Verfolgte und der Geschwister-Scholl-Stiftung und Träger des Bundesverdienstkreuzes in Hamburg.

Eintritt frei. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Kirchlichen Gedenkstättenarbeit an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme statt.

Dienstag, 28. Februar 2017, 19.00 Uhr

Von Prag nach Tel Aviv - Peppo Mühlsteins Tagebuch seiner Flucht 1939

Lesung mit Jan Mühlstein

Josef Viktor (Peppo) Mühlstein, geboren 1903 im nordböhmischen Brüx (Most), wächst in einer deutschsprachigen jüdische Familie auf. Nach der erzwungenen Abtretung der Sudetengebiete an Nazi-Deutschland, flieht die Familie Mühlstein 1938 nach Prag. Die Bemühungen um Auswanderung scheitern mit dem deutschen Einmarsch in die restliche Tschechoslowakei am 15. März 1939. Peppo entscheidet sich für eine illegale Auswanderung nach Palästina, die am 30. April 1939 in Prag startet und unter lebensbedrohlichen Umständen - die Briten beschießen das Flüchtlingsschiff beim Versuch der Landung in Palästina - mehr als vier Monate dauert. Peppo ist schließlich in Tel Aviv in Sicherheit, als freier Mensch in "Erez Israel", kann allerdings in der neuen Heimat nicht Fuß fassen. 1946 kehrt er in die Tschechoslowakei zurück und zieht in sein Elternhaus in Most ein, wo der Junggeselle bis zu seinem Tod 1978 lebt.

Peppos Fluchttagebuch von 1939 fand sich in seiner Hinterlassenschaft. Sein Neffe Dr. Jan Mühlstein, geboren 1949 in Most, hat es übertragen und liest daraus. Der Vorsitzende der Münchner Liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom, selbst als junger Mann nach der Niederschlagung des Prager Frühlings nach Deutschland emigriert, engagiert sich heute in der Flüchtlingshilfe.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Kirchlichen Gedenkstättenarbeit an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme statt.

Eintritt frei

Dienstag, 7. Februar 2017, 18.00 Uhr

Der Lüneburger Prozess gegen Wachpersonal der Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen

Vortrag von Dr. John Cramer

Bereits zwei Monate vor dem Nürnberger Prozess fand vor einem britischen Militärgericht in Lüneburg der erste alliierte Prozess gegen Kriegsverbrecher statt. Angeklagt waren Josef Kramer, der letzte Kommandant von Birkenau, und 44 weitere KZ-Wachleute, die im Januar 1945 von Auschwitz nach Bergen-Belsen versetzt worden waren. Eine umfangreiche Berichterstattung im In- und Ausland informierte damals über Systematik und Ausmaß der Verbrechen.

Cramer legte die erste Gesamtdarstellung dieses wegweisenden Nachkriegsprozesses vor und stützt sich dabei auf größtenteils unveröffentlichte Quellen aus zahlreichen Archiven. Er untersucht detailliert die Vorbereitung des Prozesses, die Hauptverhandlung sowie die Vollstreckung der Urteile.

John Cramer studierte Neuere Geschichte und Neuere Englische Literatur an der Universität Tübingen, der University of St. Andrews und dem Trinity College Dublin und ist als Gymnasiallehrer tätig.

Veranstalter: KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Eintritt frei

Freitag, 27. Januar 2017, 20.00 Uhr

Gedenkveranstaltung anlässlich der Befreiung des KZ-Auschwitz

Andacht - Ausstellungseröffnung - Konzert

Ökumenische Andacht mit Pastorin Rinja Müller (Hauptkirche St. Nikolai) und Pfarrer Dr. Jacek Bystron (Polnische Katholische Mission).

Im Anschluss findet die Eröffnung der Ausstellung Erinnerte Gegenwart - Dokumente und Installationen zu Theresienstadt statt. Die Künstlerin Marlies Poss, die eine Einführung in die Ausstellung gibt, wurde 1944 geboren. Großmutter und Mutter waren zu diesem Zeitpunkt als jüdische Frauen untergetaucht, ihre Großtante war von Hamburg aus in das KZ Theresienstadt verschleppt worden. Marlies Poss kombiniert für die Ausstellung Dokumente ihrer Großtante und anderer Holocaust-Überlebender mit eigenen Installationen. Sie schuf zarte Werke aus zerbrechlichen, vergänglichen Materialien, die den kindlichen Eindruck und den Schrecken vor dieser Familiengeschichte spürbar machen.

Andrea Schellin liest Auszüge aus dem Roman "Die Todgeweihten" von Berthie Philipp.

Musikalische Umrahmung: "Lieder aus Theresienstadt" Annika Westlund singt Lieder der jüdischen Komponisten Adolf Strauss, James Simon und Viktor Ullmann, die im KZ Theresienstadt interniert waren.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Kirchlichen Gedenkstättenarbeit an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme statt.

Eintritt frei

Sonntag, 1. Januar 2017, 16.00 Uhr

NEUJAHRSKONZERT AUF DEM GLOCKENSPIEL

Glocken im Neuen Jahr

Am Carillon: Werner Lamm

Werner Lamm - Kirchenmusiker in Hamburg, Musikstudium in Dortmund, Hamburg und Paris. Leitet die Bramfelder und die Harburger Kantorei. Konzerte in Japan, USA und den meisten europäischen Ländern, Gastdozent an Hochschulen in London und Hamburg. Das Carillonspiel lernte er schon als Jugendlicher in Frankreich, am Mahnmal St. Nikolai spielt er regelmäßig seit 2006.

Eintritt frei - das Glockenspielkonzert ist im Freien zu hören.