Veranstaltungen - Archiv 2018

23. Januar bis 28. März 2018 - täglich 10.00-17.00 Uhr

Sonderausstellung: „Aktion Reinhardt – Sie kamen aus dem Ghetto und gingen ins Unbekannte“

Sobibor ist neben Belzec und Treblinka einer jener vergessenen Orte der »Aktion Reinhardt«, der Tarnname der Nationalsozialisten für die vollständige Ermordung der Jüdinnen und Juden im Generalgouvernement (heutiges Ostpolen). In den Jahren 1942 bis 1943 wurden mehr als 1,5 Millionen Menschen in der »Aktion Reinhardt« ermordet, darunter 50.000 Sinti und Roma. Allein in Sobibor wurden 170.000 aus ganz Europa deportierte Juden und Jüdinnen direkt nach ihrer Ankunft ermordet. Der Häftlingsaufstand und das Nahen der Roten Armee beendeten das Morden dort.

Die Ausstellung wurde von der Gedenkstätte Majdanek erarbeitet.

In ihrer Installation "a place of murder and the sky is blue" nähert sich die Bielefelder Künstlerin Raphaela Kula den Möglichkeiten und der Bedeutung von Gedenken mit Blick auf die heutige Zeit an. Mit den Mitteln der Kunst reflektiert sie gesellschaftlich relevante Themen und entwickelt für bestimmte Fragestellungen und Auseinandersetzungen eine eigene Form und Ausdrucksweise. Die Installation wurde anlässlich der Ausstellung „Aktion Reinhardt“ im Mahnmal St. Nikolai Hamburg konzipiert und dort erstmals gezeigt.

Raphaela Kula arbeitet seit 1999 als freie bildende Künstlerin im eigenem Atelier im Bielefelder Ostbahnhof in den Bereichen installative Malerei, Installation, Objekt, Performance. Ihre Arbeiten begegnen dem Betrachter meist partizipativ und konfrontieren mit Themen wie Raum, Zeit, Vergangenheit/Zukünftiges, Migration und unserer Verantwortung.

Eintritt: € 5,- (Das Ticket berechtigt auch zum Besuch der Dauerausstellung „Gomorrha 1943“ und einer Fahrt mit dem gläsernen Panoramalift auf den Kirchturm.)

Mittwoch, 28. März 2018, 19.00 Uhr

Deutsch-Polnisches Geschichtsbuchprojekt „Europa - unsere Geschichte“

Vortrag und Gespräch mit Christiane Brandau, Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung, Braunschweig.

„Europa – unsere Geschichte“ setzt als von Deutschen und Polen gemeinsam erarbeitete Schulbuchreihe einen Dialog fort, den Historiker, Geografen und Geschichtsdidaktiker beider Länder seit Jahrzehnten führen – vor allem im Rahmen der gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission. Im Jahr 2016 erschien der erste Band der für den regulären Unterrichtsgebrauch in Deutschland und Polen gedachten Schulbuchreihe. An deutschen und polnischen Beispielen wird darin die Diversität historischen Erinnerns offengelegt. Dieser transnationale Ansatz versteht sich als eine Antwort auf die Frage, wie ein europäisches Geschichtsbewusstsein der Zukunft aussehen könnte und zielt auf die weitere Verbesserung der deutsch-polnischen Verständigung.

Eintritt frei. Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Georg-Eckert-Institut, der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg.

Dienstag, 20. März 2018, 19.00 Uhr

Die Deportationen aus Hamburg 1940-1945 – was geht uns das heute noch an?

Vortrag und Diskussion zur Konzeption des Dokumentationszentrums denk.mal Hannoverscher Bahnhof

Vom ehemaligen Hannoverschen Bahnhof in Hamburg wurden in den Jahren 1940 bis 1945 über 8000 Juden, Sinti und Roma in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt. Seit Mai 2017 erinnert der Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof im Lohsepark mit 20 Namenstafeln an die Deportierten. In den nächsten Jahren wird in räumlicher Nähe ein Dokumentationszentrum über den historischen Kontext der Verbrechen, die Verfolgten und die Tätergruppen informieren.

In dem Vortrag und dem anschließenden Gespräch werden Dr. Oliver von Wrochem, Karin Heddinga und Dr. Kristina Vagt (alle KZ-Gedenkstätte Neuengamme) über die Konzeption der geplanten Dauerausstellung im Dokumentationszentrum berichten sowie über aktuelle Rechercheergebnisse und Interviewprojekte, die sich insbesondere mit den Verfolgten- und Tätergruppen auseinandersetzen.

Eintritt frei. Eine Veranstaltung in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Freitag, 16. März 2018, 19.00 Uhr

Das NSU-Verfahren und seine gesellschaftspolitische Dimension

Die ersten Plädoyers sind gehalten und in den nächsten Monaten soll das Urteil im NSU-Prozess gesprochen werden. Unabhängig von den rein juristischen Fragen hat das Verfahren eine politische Ebene. Was diese angeht, wird auch vor dem Richterspruch schon deutlich: Eine echte Aufklärung der in Deutschland beispiellosen rassistisch motivierten Mordserie ist nicht gelungen – möglicherweise von einigen auch nicht gewollt? Die Gründe dafür sind ebenso zahlreich wie die Verantwortlichen.

Mehmet Daimagüler, der als Nebenklageanwalt zwei der Opferfamilien vertritt, skizziert in seinem Buch „Empörung reicht nicht – Unser Staat hat versagt, jetzt sind wir dran.“ Versäumnisse von Politik und Strafverfolgungsbehörden im NSU-Skandal. Nach einem kurzen Impuls sprechen Mehmet Daimagüler und Christoph Giesa über den Verlauf des Prozesses, über Recht und Demokratie.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der bundesweiten Reihe „NSU-Spurensuche – Menschen im Mittelpunkt, Institutionen im Brennglas“ der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit statt https://shop.freiheit.org/#!/Veranstaltung/25N8K.

Eine Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Kooperation mit Save Democracy Hamburg.

Donnerstag, 8. März 2018, 19.00 Uhr

„BIGOS, ZOB und JOB“ Eine Polin in Deutschland

Autorenlesung mit Anna Piasecka

Anna ist in Polen aufgewachsen. Sie hatte kein gewöhnliches Kinderleben und musste quasi vom Kleinkindalter an ein Erwachsenenleben führen. Später ergriff sie die Chance, in Deutschland Betriebswirtschaft zu studieren, obwohl sie kein Deutsch sprach. Anna hat sich durch viele peinliche und harte Situationen durchgebissen. Später folgte ein anstrengendes Berufsleben, in dem Anna immer öfter keinen Sinn sieht. „Es geht um das Schicksal einer Migration zwischen Aufbruch und Ankommen und um die Suche nach einer neuen Identität und Selbstbestimmung“, sagt Anna Piasecka über ihr Buch. Ohne große Schnörkel berichtet die Autorin von ihren Erfahrungen in Polen und in Deutschland. Dabei spickt sie ihren Text mit kritischen Fragen und regt zum Nachdenken an.

Eintritt frei. Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg.

Montag, 19. Februar 2018, 19.00 Uhr

„Untergetaucht, um zu überleben“

Zeitzeugengespräch mit der Holocaust-Überlebenden Rozette Kats (Amsterdam)

Die Niederländerin Rozette Kats, Jahrgang 1942, erfährt am Vorabend ihres sechsten Geburtstages, dass sie das Kind jüdischer Eltern ist, die den Holocaust nicht überlebt haben. Ihr Onkel, der einzige weitere Überlebende der Familie, vermag nicht, über die ermordeten Verwandten zu sprechen. Ihren Rettern und Pflegeeltern spielt Rozette das fröhliche Kind vor, doch es plagen sie Ängste und mit zunehmendem Alter auch Fragen über das Leben und Sterben ihrer Eltern. Erst Mitte der 1980er Jahre erhält Rozette Kats von ihrem Onkel ein Hochzeitsbild ihrer Eltern. Später erfährt sie, dass ca. drei Monate vor der Deportation der Eltern nach Auschwitz-Birkenau ihr Bruder geboren wurde.

Es ist ein langer und schmerzlicher Prozess für Rozette Kats, mit dem Schatten der Vergangenheit leben zu lernen, der ihr vor allem durch ein vielfältiges Engagement in der Erinnerungsarbeit auf beeindruckende Weise gelungen ist.

Rozette Kats erzählt im Gespräch mit Raphaela Kula (Bielefeld) über ihr Leben und die lange Suche nach der eigenen Identität.

Weitere Veranstaltung mit Rozette Kats: Dienstag, 20. Februar 2018, 10.00 Uhr, KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Eintritt frei. Eine Veranstaltung in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Die Veranstaltungen werden unterstützt von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ), Berlin.

Mittwoch, 14. Februar 2018, 19.00 Uhr

Endstation Sobibor, Treblinka, Majdanek – Leidenswege Hamburger Juden

Die Zielorte der Jüdinnen und Juden, die aus Hamburg direkt deportiert wurden, sind namentlich bekannt. Doch in den 1930er Jahren waren tausende Juden in die Nachbarländer geflüchtet, die nach dem Einmarsch deutscher Truppen zur Falle wurden. Über das Lager Westerbork in den Niederlanden oder Gurs in Frankreich wurden sie mit den einheimischen Juden und anderen Flüchtlingen in die Todeslager der Aktion Reinhardt deportiert und ermordet. Andere hatten zunächst von Hamburg aus den Deportationsbefehl in das „Altersghetto“ und „Vorzugslager“ Theresienstadt erhalten, das sich dann für etliche als Durchgangsstation nach Treblinka erwies.

Dr. Beate Meyer, Institut für die Geschichte der deutschen Juden, (Einführung) und MitstreiterInnen aus dem Projekt „Stolpersteine in Hamburg – biographische Spurensuche“ stellen fünf Lebens-, Flucht- und Leidensgeschichten von Hamburger Jüdinnen und Juden vor, die den Tod in einem dieser Lager fanden.

Eintritt frei.

Mittwoch, 24. Januar 2018, 19.00 Uhr

"Die Nummer auf deinem Arm ist blau wie deine Augen."

Lesung und Gespräch mit der Zeitzeugin Eva Umlauf

„Vergessen Sie das Kind, es wird nicht leben.” Diese Worte erschüttern Eva Umlaufs Mutter Anfang 1945 in Auschwitz. Ihre Tochter ist zwei Jahre alt, abgemagert und todkrank. Eva Umlauf wird sich später nicht an diese Zeit erinnern können. Dennoch schlummert das Erbe ihrer Vergangenheit unter der Oberfläche und prägt ihren gesamten Lebensweg. Sie überlebt Auschwitz und die rote Diktatur in der Tschechoslowakei. 1966 heiratet sie, geht ein Jahr später nach München und ist dort - als Mutter dreier Söhne - als Kinderärztin und Psychotherapeutin erfolgreich. Lange Zeit verdrängt sie die Auseinandersetzung mit den Erinnerungen und den Gefühlen der Fremdheit und Heimatlosigkeit. Erst als sie einen Herzinfarkt erleidet, findet sie den Raum, sich der Vergangenheit zu stellen, sucht nach den Spuren ihrer ermordeten Familie und bekennt sich 2011 in Auschwitz schließlich öffentlich als Überlebende des Holocaust. Ihre Erinnerungen verarbeitet sie in dem Buch "Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen", aus dem sie an diesem Abend lesen wird.

Das Gespräch wird moderiert von Gero von Randow, Publizist und Redakteur im Ressort Politik bei DIE ZEIT.

Eine Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung, Politisches Bildungsforum Hamburg.

Montag, 22. Januar 2018, 19.00 Uhr

Ausstellungseröffnung: „Aktion Reinhardt – Sie kamen aus dem Ghetto und gingen ins Unbekannte“

Landesrabbiner Shlomo Bistritzky: Grußwort und Kaddisch

Musikalische Umrahmung: Trio d´anches mit Stücken von Erwin Schulhoff

Dr. Steffen Hänschen, Vortrag: Die ehemaligen Lager der „Aktion Reinhardt“. Historischer Rückblick und die Gedenkstätten heute.

Sobibor ist neben Belzec und Treblinka einer jener vergessenen Orte der »Aktion Reinhardt«, Tarnname der Nationalsozialisten für die vollständige Ermordung der Jüdinnen und Juden im Generalgouvernement (heutiges Ostpolen). In den Jahren 1942 bis 1943 wurden mehr als 1,5 Millionen Menschen in der »Aktion Reinhardt« ermordet, darunter 50.000 Sinti und Roma.

Nach einer Einführung zum Ablauf der „Aktion Reinhardt“ geht der Vortrag der Frage nach, was mit den Orten des Massenmordes nach Kriegsende geschehen ist. Wie hat sich die Topographie im Laufe der Jahrzehnte verändert, welche Gedenkstätten sind entstanden, welche Bildungsarbeit findet statt.

Dr. Steffen Hänschen begleitet seit vielen Jahren als Mitarbeiter des Bildungswerks Stanisław Hantz e. V. Bildungsreisen an die Tatorte des Holocaust in der Region Lublin, aber auch in der Ukraine und dem Baltikum.

Raphaela Kula: die Bielefelder Künstlerin erläutert ihre Installation "a place of murder and the sky is blue", die während der Ausstellung zur Aktion Reinhardt im Mahnmal St. Nikolai zu sehen ist. Darin versucht sich die Künstlerin den Möglichkeiten und der Bedeutung von Gedenken mit Blick auf die heutige Zeit anzunähern.

Eröffnungsveranstaltung: Eintritt frei

Mittwoch, 17. Januar 2018, 19.30 Uhr

Wolfgang Borchert – seine Sicht der Menschen in Kurzgeschichten und Gedichten

Lesung mit Kai Maertens und Nils C. Freytag, Graphic Novel Recordings von Tina Nispel

Wolfgang Borchert, geboren 1921 in Hamburg, gestorben 1947 in Basel, wurde vor allem durch sein Heimkehrer-Drama „Draußen vor der Tür“ bekannt. Er verfasste zudem zahlreiche Gedichte und Geschichten, die z. T. einen wohlwollenden und fast fröhlichen Blick auf seine Zeitgenossen ermöglichen, fernab von Krieg und Unmenschlichkeit. Gelesen wird u. a. „Schischyphusch – oder Der Kellner meines Onkels“.

Während der Lesung wird die Hamburger Grafikerin Tina Nispel das Gehörte spontan in kleine gemalte Kunstwerke übersetzen, die am Ende des Abends zu Gunsten des Mahnmals St. Nikolai versteigert werden.

Kai Maertens, ist Hamburger, Schauspieler und Regisseur. Er mag Literatur, Hunde und Fußball.

Nils C. Freytag, ebenfalls Hamburger, studierte Politikwissenschaft und Psychologie und kam nach Stationen in Werbung und PR zum gesprochenen Wort.

Eintritt € 6,- / ermäßigt € 4,-

Montag, 1. Januar 2018, 15.00 Uhr

NEUJAHRSKONZERT AUF DEM GLOCKENSPIEL

Glocken im Neuen Jahr

Am Carillon: Werner Lamm

Werner Lamm - Kirchenmusiker in Hamburg, Musikstudium in Dortmund, Hamburg und Paris. Leitet die Bramfelder und die Harburger Kantorei. Konzerte in Japan, USA und den meisten europäischen Ländern, Gastdozent an Hochschulen in London und Hamburg. Das Carillonspiel lernte er schon als Jugendlicher in Frankreich, am Mahnmal St. Nikolai spielt er regelmäßig seit 2006.

Eintritt frei - das Glockenspielkonzert ist im Freien zu hören.