Museum - Kunst am Mahnmal

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In Mitten der geschäftigen Hamburger Innenstadt lädt der frei zugängliche Außenbereich des Mahnmals zum Entdecken, Nachdenken und Verweilen ein. Skulpturen und Werke namhafter Künstler sind hier zu sehen.

Ecco Homo (Oskar Kokoschka)

Der expressionistische Maler Oskar Kokoschka (1886 - 1980) entwarf das Bild des Gekreuzigten mit dem Kriegsknecht, der ihm den in Essig getränkten Schwamm reicht, nicht hasserfüllt, sondern gleichgültig und stumpf. Der Künstler nannte das Bild "Ecce Homo" - "Seht den Menschen" und appellierte damit an unsere Menschlichkeit und Barmherzigkeit.

1972 entstanden zwei Ausführungen dieses Bildes als Mosaik zur Erinnerung an die Toten des Bombenkrieges, die Sergio Cicognani aus Ravenna ausführte:

  • eine in schwarz-weiß gehaltene Darstellung im Chorraum des Mahnmals
  • eine farbige Darstellung über dem Altar der neuen Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern. Sie trägt den Titel: "Ecce Homines - "Seht die Menschen" einerseits so gleichgültig, andererseits wehrlos leidend.

Diese Werke schlagen einen Bogen zwischen dem alten und neuen Standort der Kirchgemeinde St. Nikolai.

Prospekt – Einblick und Aussicht (acollage, Nic Fey)

Die Installation „Prospekt“ macht in zwei Präsentationsformen die figürlichen Skulpturen im Mahnmal sichtbar.

Der Prospekt

zeigt fünf figürliche Motive, die beidseitig auf ein witterungsbeständiges Gewebe gedruckt sind, das hinter dem Fenster über dem Hauptportal bis in eine Höhe von ca. 34 Metern aufgespannt ist. Er erinnert an einen Filmstreifen, der aus einer Filmspule oder Dose gezogen wird.

Besucher sieht das Motiv bei der Fahrt mit dem Aufzug mit Blick auf den Hopfenmarkt. Hier findet durch die Gewebestruktur des Prospektes eine Überlagerung von Motiv und Stadtbild statt. Je nach Lichtsituation im Außenraum erscheint das Motiv oder der Hintergrund dominant, die Aussicht ist eine Durchsicht oder eine Ansicht des Bildes.

Die Bildstele

steht im inneren des Turms und präsentiert im Wechsel verschiedene sich gegenübergestellte Bildpaare der figürlichen Skulpturen am Turm, die für den Betrachter sonst außerhalb seines Blickfeldes liegen. Die Bildstele hat eine Strahlkraft nach außen und betont den ursprünglichen Hauptzugang der Kirche.

Prüfung (Edith Breckwoldt)

Diese Plastik ist der Gedenkstätte in Sandbostel gewidmet, wo bis 1945 in einem der größten Gefangenenlager der Nationalsozialisten mehr als 50 000 Menschen aus vielen Ländern den Tod fanden. Der Sockel der Plastik ist gestaltet aus Originalsteinen der Gefangenen-Baracken, die von Schülern aus Sandbostel auf dem ehemaligen Lagergelände gesammelt wurden.

Der Titel "Prüfung" drückt die Auseinandersetzung des einzelnen Betroffenen mit dieser Extremsituation aus und mahnt auch den Betrachter zu dieser Auseinandersetzung.

Die Künstlerin hat den eindrucksvollen Text des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer hinzugefügt:

"Kein Mensch auf der ganzen Welt kann die Wahrheit verändern.
Man kann sie nur suchen,sie finden und ihr dienen.
Die Wahrheit ist an jedem Ort."

Erdenengel (Edith Breckwoldt)

"Nimm meine Hand, und ich führe Dich zu Dir zurück."

Die Künstlerin möchte in dieser Plastik ausdrücken, dass alle Kraft und auch alle Erkenntnis im Menschen selbst ruhen. Wenn er zu sich zurückfindet, dann erkennt er diesen Kern und findet seinen Frieden, der Voraussetzung für Gemeinsamkeit und Friedlichkeit zwischen den Menschen ist.

Die Künstlerin präsentiert den Titel der Plastik in acht Sprachen, um den internationalen Besuchern Orientierung zu bieten.

Friedensgebet (Edith Breckwoldt)

Diese Plastik soll mit meditativer Kraft einen Bogen spannen von den erschreckenden Ereignissen der Vergangenheit, für die das Mahnmal steht, zu einer hoffnungsvollen Zukunft, die es nur im Frieden gibt. Der Betrachter wird aufgefordert, Teil dieses Prozesses zu sein.

Im Juni 2017 ist die Skulptur von der Breckwoldt-Stiftung übernommen und nach Lauenburg, die Heimatstadt der 2013 verstorbenen Künstlerin, gebracht worden. Das künstlerische Lebenswerk von Edith Breckwoldt wird demnächst öffentlich in Lauenburg präsentiert.

Weiblicher Engel (Barbara Haeger)

Die Künstlerin Barbara Haeger (1919 - 2004) studierte Bildhauerei an der Kunstakademie in Frankfurt a.M., in Berlin und an der Landeskunstschule Hamburg bei Edwin Scharff. Seit 1953 erhielt sie mehrere "Kunst-am-Bau"-Aufträge in Hamburg.

1960 schuf sie den "Weiblichen Engel", eine figürliche Plastik, modelliert und in Bronze gegossen. Die Landeskirche erwarb diese Skulptur 1972 für das Mahnmal. Die Plastik steht an der Neuen Burg direkt hinter der Apsis zwischen zwei Strebepfeilern.

Ganz nach oben ... (Mirja Grosskinsky)

Unter dem Motto „Ganz nach oben...“ war von Januar 2013 bis Frühjahr 2014 eine imposante Kunstinstallation am Kirchturm des Mahnmals St. Nikolai zu sehen. Das Werk zeigt einen gen Himmel weisenden blauen Pfeil mit den Icons der Kirchentagskampagne 2013, angebracht am damals aufgrund von Sanierungsarbeiten eingerüsteten Turm. Den Pfeil haben das Mahnmal St. Nikolai und der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag gemeinsam in Auftrag gegeben.

Der Entwurf für die 15 x 10 Meter große Installation stammt von der Hamburger Architektin Mirja Grosskinsky. Sie erklärt: „Ins Stadtbild ‚gespannt‘, dient der Pfeil als Wegweiser und verändert durch den Maßstabssprung unsere ‚Sehgewohnheiten‘. Ganz plakativ gibt er uns die Richtung vor und ist ein Orientierungszeichen. Eine Anspielung auf - da wollen wir hin... auf den Kirchentag/auf den Kirchturm.“